Installieren Sie die genialokal App auf Ihrem Startbildschirm für einen schnellen Zugriff und eine komfortable Nutzung.
Tippen Sie einfach auf Teilen:
Und dann auf "Zum Home-Bildschirm [+]".
In den "Zwölf Reden über die Beredsamkeit und deren Verfall in Deutschland" untersucht Adam Heinrich Müller die politische, geistige und moralische Funktion der Rede. Beredsamkeit erscheint bei ihm nicht als bloße Technik wirkungsvoller Formulierung, sondern als Ausdruck einer lebendigen Gemeinschaft, in der Sprache, Religion, Geschichte und staatliche Ordnung miteinander verbunden sind. Der beklagte Verfall bezeichnet folglich eine umfassende Entfremdung: Individualismus, abstrakte Aufklärung und eine einseitig rationalisierte Öffentlichkeit haben, so Müllers Diagnose, das organische Verhältnis zwischen Redner, Zuhörer und Gemeinwesen geschwächt. In rhetorisch anspruchsvoller, essayistischer Form steht das Werk im Kontext der deutschen Romantik und ihrer Kritik an mechanistischem Denken; zugleich verknüpft es politische Theorie, Sprachreflexion und kulturgeschichtliche Betrachtung. Adam Heinrich Müller (1779-1829), zunächst Jurist und Publizist, entwickelte sich unter dem Einfluss der Romantik zu einem bedeutenden konservativen Staatsdenker. Seine Konversion zum Katholizismus, seine Nähe zu Wiener politischen und literarischen Kreisen sowie seine Auseinandersetzung mit preußischer Reform, Revolution und napoleonischer Neuordnung prägten sein Misstrauen gegenüber abstrakten Universalmodellen. Die Reden entspringen daher dem Versuch, der politischen Sprache wieder geschichtliche Tiefe und ethische Verbindlichkeit zu geben. Das Buch empfiehlt sich Lesern, die den Zusammenhang von Rhetorik, Staatsdenken und romantischer Kulturkritik verstehen möchten. Es ist zugleich eine präzise Quelle für die politischen Spannungen des frühen 19. Jahrhunderts und ein anregender Beitrag zur Frage, welche Verantwortung öffentliche Rede in Zeiten geistiger und gesellschaftlicher Umbrüche trägt.
Adam Heinrich Müller (1779-1829), seit 1827 Müller von Nitterdorf, war ein deutscher Schriftsteller, Staatsdenker, Jurist und Diplomat. Als bedeutender Vertreter der politischen Romantik wandte er sich gegen den rationalistischen Individualismus der Aufklärung und entwickelte ein organisches Verständnis von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Nach seiner Konversion zum Katholizismus trat die religiöse und historisch gewachsene Ordnung in seinem Denken zunehmend hervor. Zu seinen wichtigsten Schriften zählen die "Elemente der Staatskunst" sowie die "Zwölf Reden über die Beredsamkeit und deren Verfall in Deutschland", in denen er den rhetorischen Verfall als Ausdruck einer umfassenderen geistigen und politischen Krise deutet. Müllers Stil ist essayistisch, polemisch und stark bildhaft; er verbindet historische Argumentation mit religiös-philosophischer Reflexion und wirkungsvoller Rede. Seine Schriften prägten die konservative Staatslehre des frühen 19. Jahrhunderts und stehen zugleich exemplarisch für die rhetorische, gegenaufklärerische Publizistik der deutschen Romantik.