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Im Fall der seit 1989 verschwundenen Schülerin Katrin, einem bis heute ungeklärten Verbrechen, musste ich mich mit der Problematik und der Kraft des 'Verdrängens' auseinandersetzen. Psychologen bezeichnen Verdrängung als eine Fähigkeit, belastende unangenehme Erinnerungen aus dem Bewusstsein zu verbannen. Diese aber wirken im Unterbewusstsein weiter, hinterlassen Spuren in Form von konkreten Symptomen. 'Verdrängung' ist ein ständiger aktiver Prozess und nie abgeschlossen. Gilt das selbst für den Täter eines Gewaltdeliktes? Die Tötung eines Menschen, ob fahrlässig, im Affekt oder geplant, ist eine unfassbare Gewalttat. Ein Leben wurde ausgelöscht und fügt Angehörigen unsagbares Leid zu. Aber auch der Täter ist selbst seelischen Belastungen ausgesetzt. Versucht er seine Tat zu verheimlichen, zu vertuschen oder zu verdecken, ist auch für ihn die Verdrängung ein probates Mittel, das mit dem Beiseiteschieben, dem Abwehren und der Verheimlichung relevanter Sachverhalte beginnt. Er baut mit der Zeit eine für sich akzeptable Vorstellung auf, die er fortlaufend festigt und so zu seiner 'einzigen Wahrheit' wird. Das versetzt ihn in die Lage, diese für Außenstehende glaubhaft darzustellen. Doch die Bewusstseinsinhalte sind nicht vergessen und für immer erledigt. Sie wurden nur seinem Bewusstsein entzogen, in seelische Tiefen verschoben, arbeiten weiter im Verborgenen und können massive Ängste, Verhaltensstörungen oder depressive Zustände auslösen, was erkennbar wird. Das im Fall der vermissten Katrin zu prüfen, beim möglichen Verdächtigen festzustellen, war Ziel der in diesem Buch beschriebenen kriminalistischen Analyse. Günter Rohwedel, Jahrgang 1951, geboren in Stavenhagen (Mecklenburg). Nach der Ausbildung zum Elektromonteur und seinem Grundwehrdienst nahm er 1974 eine Tätigkeit in den Sicherheitsorganen der DDR auf. Trotz Hochschulabschluss als Diplomjurist und einer kriminalistischen Ausbildung zwang ihn die Wiedervereinigung, einen eigenen beruflichen Weg zu gehen. Er war von 1992 bis 2001 als selbständiger Privatermittler und von 2001 bis 2004 als Ermittler in einem Wachdienst in Hamburg tätig. Von 2004 bis 2016 arbeitete er als Mitarbeiter Corporat Security/Investigation in einem großen führenden Wirtschaftsunternehmen in Hamburg und blickt somit auf eine mehr als 42-jährige Ermittlungstätigkeit. Seine Schwerpunkte bestanden in der Aufklärung von Tötungsdelikten, sexuellem Missbrauch, in der Suche nach vermissten Kindern sowie Ermittlungen im Bereich Wirtschafts-/ Betriebskriminalität. In seinen veröffentlichten Büchern berichtet er kritisch über die kriminalistische Ermittlungsarbeit der Behörden und schreibt über seine Erkenntnisse und Erfahrungen als Privatermittler.