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Manchmal klingt Wahrheit wie ein verrauschtes Signal. Sommer 1998, Norderwiek an der Nordsee. Dreimal die Woche geht um Mitternacht in einem alten Funkhaus zwischen Dünen und Campus ein rotes Licht an, und Mara Voss wird zu einer Stimme für alle, die sonst niemanden zum Reden haben. Hinter dem Mikrofon hört sie zu. Über sich selbst sagt sie nichts.Dann liegt eines Morgens eine Kassette in der Eingangspost. Kein Absender, nur eine fremde Handschrift, ein Lied und eine Widmung, die von drei Lichtern hinter dem Wasser spricht. Die Spur führt Mara nachts auf den gesperrten alten Pier und zu Jona Brink, einem Segler, der seit einem Jahr nicht mehr aufs Wasser geht und dessen Uhr auf Viertel nach eins stehen geblieben ist.Was zwischen ihnen beginnt, wird über Mixtapes geführt. Über Pausen zwischen den Liedern. Über alles, was keiner von beiden aussprechen kann. Denn Mara schreibt Briefe an ihre Mutter, die sie nie abschickt, und Jona schweigt über die Nacht, in der sein bester Freund nicht zurückkam.Als die Regatta ausgerechnet auf den Jahrestag vorverlegt wird und über der Nordsee eine Sturmwarnung hängt, reicht Schweigen nicht mehr. Mara sitzt allein im Studio, mit einem Mikrofon und halber Sendeleistung. Draußen ist ein Boot, das sich nicht meldet. Und die einzige Botschaft, die jetzt noch etwas ausrichten kann, ist die, vor der sie seit zwei Jahren davonläuft.