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»Wenn Religion mit elementaren Gewissheiten einer Weltansicht nicht mehr in Einklang zu bringen ist, löst sie sich auf.« (Joseph Kardinal Ratzinger) Hier liegt sicher eine der Wurzeln für die neuzeitliche Krise des christlichen Wahrheitsanspruchs, wobei nicht ausgemacht ist, ob zumindest ein Teil der »Schwierigkeit, heute zu glauben«, nicht auch auf schlichter Unkenntnis, auf fehlgeleiteten Annahmen über die Voraussetzungen und den Gehalt des christlichen Glaubens beruht. Wenn Glauben heißt, etwas auf das Zeugnis eines anderen hin als wahr und wirklich anzunehmen, dann hebt der Vorbehalt gegenüber der Existenz des zu glaubenden Sachverhalts auch die Möglichkeit des Glaubens auf, »denn ohne Zustimmung glaubt man überhaupt nicht.« (Augustinus) Niemand wird jedoch zustimmen können, wenn er nicht vorher - so gut es eben geht - in den Stand gesetzt wurde zu verstehen, was ihm da und mit welchen Gründen zu akzeptieren zugemutet wird. Hierin für mehr Klarheit zu sorgen, ist das Hauptverdienst von Piepers »Schriften zur Religionsphilosophie«.
Josef Pieper (1904-1997) war Professor für Philosophische Anthropologie an der Universität Münster; Mitglied mehrerer Akademien; zahlreiche Preise und Ehrungen, darunter der internationale Balzan-Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften.
Pieper gehört zu den international meist gelesenen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Schwerpunkt seines Denkens ist die Überwindung kultureller Formen des säkularen Totalitarismus und seiner philosophischen Grundlagen durch eine erfahrungs- und handlungsbezogene Rehabilitierung des christlichen Menschenbildes. Dabei werden ihm vor allem Platon und Thomas von Aquin zu inspirierenden Quellen einer positiven Kulturkritik von unmittelbarer Aktualität.