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Horst Tatzkow (1922-1996) spionierte für die CIA in der DDR. Und arbeitete auch für den MfS. Ein Doppelagent also. Ungewöhnlich allenfalls: nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Und immer aus Liebe zu einem Mann, der vielleicht als Agent von der DDR-Aufklärung in den Westen geschickt und dort eventuell umgedreht worden war... Vermutet Jürgen Tatzkow. Er hat seinen Vater interviewt, Jahrzehnte recherchiert und in Akten geblättert. Sofern er sie zu sehen bekam. Die CIA zeigte ihm nämlich die kalte Schulter und die Stasi-Unterlagenbehörde nur jedes zweite Blatt, das seinen Vater betraf. Und der hat ihm auch nicht alles und nicht immer die Wahrheit erzählt. Eine verworrene Geheimdienstgeschichte, die viel Raum für Interpretationen lässt. Das Besondere daran: Tatzkow grub vorurteilsfrei in der Vergangenheit. Er wollte nichts beweisen, sondern nur die Wahrheit finden. Und nebenbei erzählt er, wie mit ihm und seinem Bruder umgegangen wurde, als ihre Eltern im Gefängnis saßen. Darum haben wir es hier nicht nur mit einer Spionagegeschichte, sondern auch mit einer Sittengeschichte zu tun. Einmalig, gewiss, aber eben auch typisch DDR.
Jürgen Tatzkow, geboren 1953 in Berlin, absolvierte eine Lehre als Werkzeugmacher, machte Abitur auf der Abendschule, studierte von 1978 bis 1982 an der Humboldt-Universität und arbeitete als Diplomlehrer für Geschichte und Erdkunde, ab 1988 war er auch Schulleiter, danach Lehrer an einer Gesamtschule. 1994 wurde er als »belastet« aus dem Schuldienst entlassen, 1995 wieder eingestellt und verbeamtet und war bis zu seiner Pensionierung 2016 Lehrer am Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Berlin. Als er 15 war, wurden die Eltern verhaftet und als CIA-Agenten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Zur Person des Vaters Horst Tatzkow, (1922 - 1996) geboren in Thüringen, aufgewachsen in Düsseldorf, Wehrmachtsoldat, drei Jahre sowjetische Kriegsgefangenschaft, seit 1949 Funktionär der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, tätig in der Zentralen Kommission Staatliche Kontrolle beim Ministerrat der DDR (ZKSK), in der Abteilung Kultur und Volksbildung. 1958 angeworben von der CIA, 1968 enttarnt und zu lebenslanger Haft verurteilt (seine beteiligte Frau erhielt eine achtjährige Haftstrafe). In der Haft von der Staatssicherheit angeworben und 1972 entlassen. Von 1977 bis 1989 für die Hauptverwaltung Aufklärung des MfS tätig. Bis 1992 Kontakte mit der CIA - was da lief, liegt im Dunkeln.