Kerstin Brückweh

Mordlust

Serienmorde, Gewalt und Emotionen im 20. Jahrhundert. 1. Auflage. 21,3 cm / 14,0 cm / 3,2 cm ( B/H/T )
EAN 9783593382029
52,00 €
inkl. MwSt.
512 Seiten
November 2006
Beltz

Serienmörder faszinieren. In Film, Fernsehen und Kriminalliteratur morden sie fast täglich, aber kriminalstatistisch sind sie nahezu bedeutungslos. Kerstin Brückweh untersucht vier Fälle von Serienmorden (Haarmann, Seefeld, Hagedorn, Bartsch) aus der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus, der DDR und der Bundesrepublik. Sie zeigt, wie Nachbarn und Kollegen, Polizisten, Gutachter und Richter, Journalisten und Zeitungsleser die Täter wahrnahmen und beurteilten. Besonders auf sexuell motivierte Kindermörder entluden sich Abscheu und Hass, während zugleich in den Medien Voyeurismus und Gewaltfantasien aktiviert wurden.
Ausgezeichnet von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen mit dem Akademiepreis für Geisteswissenschaften 2009.

Kerstin Brückweh, Dr. phil., promovierte an der Fakultät für Geschichte der Universität Bielefeld, war Redakteurin in einem Münchener Verlag und ist jetzt als Research Fellow am Deutschen Historischen Institut in London tätig.

Inhalt Vorwort ...................................................................... 9 Einleitung ...................................................................... 11 Erster Teil: Physische Gewalt - konkrete Opfererfahrungen und imaginierte Täterbilder ................................................. 33 1. Normalisierung: Der bekannte Täter ........................................ 35 1.1 Der Alltag mit Hagedorn, Bartsch, Seefeld und Haarmann ........ 36 1.1.1 Alltägliche Gewalt ............................................... 37 1.1.2 Der auffällige Täter ............................................. 59 1.1.3 Auf der Suche nach Vertrauten: Komplizen und Mitwisser ...................................... 62 1.2 Als außeralltäglich deklarierte Situationen ............................ 67 1.2.1 Bei der Polizei angezeigte Fälle ................................ 68 1.2.2 Informelle Strategien: Thematisierung unter den Eltern ... 80 1.3 Reaktionen von Nachbarn und Kollegen nach der Festnahme .... 85 Zusammenfassung und Ausblick ............................................. 88 2. Dämonisierung: Der fremde Täter ........................................... 91 2.1 Verdächtigungen ......................................................... 92 2.1.1 Verdächtigte Personen aus dem sozialen Nahraum ......... 93 2.1.2 Vermisstenanzeigen und allgemeine Hinweise aus der Bevölkerung ............................................ 96 2.1.3 Homosexuelle als Verdächtigte ................................ 103 2.1.4 Verdächtigte Fremde ............................................ 110 2.2 Folgen der Verdächtigungen ............................................ 115 Zusammenfassung ............................................................. 118 Erster Teil: Physische Gewalt - Zusammenfassung ........................... 120 Zweiter Teil: Rechtsprechende Gewalt - Wiederherstellung der Ordnung durch Justiz und Experten .................................................. 123 3. Expertise und Kompetenz: Die Auswahl der Sachverständigen ........ 127 3.1 Machtkämpfe: Die Auswahl von Sachverständigen in Demokratien ........................................................... 128 3.1.1 Der abgewehrte psychologische Blick - 1924 ............... 129 3.1.2 Der zugelassene psychologische Blick - 1971 ............... 147 3.1.3 Steigendes Vertrauen in die Psychoanalyse - 1971 ......... 152 3.1.4 Der sexualwissenschaftliche Blick: Zwischen Abwehr und Diktat ........................................................ 164 3.2 Staatsmacht: Auswahl von Sachverständigen in Diktaturen ........ 179 Zusammenfassung ............................................................. 184 4. Expertise und Deutungshoheit: Die Gutachten ............................ 188 4.1 Friedrich Haarmann: "Pathologisch" und "zurechnungsfähig" ..... 190 4.2 Adolf Seefeld: "Moralisch minderwertiger, gefühlskalter, asozialer Psychopath" .................................................... 194 4.3 Erwin Hagedorn: "Willensschwacher Sadist", geprägt durch "Fehlerziehung" der Eltern ................................................ 199 4.4 Jürgen Bartsch: Krank durch frühkindliche Störungen und gesellschaftliche Strukturen ............................................. 207 Zusammenfassung und Kontextualisierung ................................ 221 5. Das Urteil: Die Konstruktion der überzeugendsten Geschichte ......... 226 5.1 Erwin Hagedorn: Erwachsen und schuldfähig ....................... 226 5.2 Jürgen Bartsch: Jugendlich und zurechnungsfähig ................... 235 5.3 Friedrich Haarmann: Pathologisch, aber doch schuldfähig ......... 252 5.4 Adolf Seefeld: "Gefährlicher Gewohnheitsverbrecher" ............. 262 Zusammenfassung und Ausblick ............................................. 270 6. Der Strafvollzug: Physische und institutionelle Gewalt ................... 275 6.1 Konstruktion des geständigen Täters: Adolf Seefeld + 1936 ....... 276 6.2 Hinrichtung als letztes Spektakel: Friedrich Haarmann + 1925 .... 278 6.3 Das Verschwinden des Körpers: Erwin Hagedorn + 1972 ......... 279 6.4 Therapie mit tödlichem Ausgang: Jürgen Bartsch + 1976 ........... 282 Zusammenfassung ............................................................. 290 Zweiter Teil: Rechtsprechende Gewalt - Zusammenfassung ................. 295 Dritter Teil: Medial vermittelte Gewalt - emotionale Aneignungen im öffentlichen Raum ......................................................... 299 7. Rachegelüste und andere Emotionen: Reaktionen von Unbeteiligten auf die Medienberichte zum Fall Bartsch .................. 303 7.1 Die Akteure: Briefe von Unbeteiligten 1966-1971 .................. 305 7.1.1 Briefschreiber und -schreiberinnen ........................... 306 7.1.2 Adressaten ........................................................ 310 7.2 Rachegelüste anstelle von Verstehen .................................. 314 7.2.1 Strafwünsche ..................................................... 314 7.2.2 Erklärungsansätze ............................................... 322 7.3 Wechselwirkungen ....................................................... 331 Zusammenfassung ............................................................. 335 8. Instrumentalisierte Medienberichte: NS-Propaganda im Fall Seefeld ... 338 8.1 Prozessberichterstattung ................................................ 341 8.1.1 Nachrichtenquellen ............................................. 343 8.1.2 Formale Spielräume und Beschränkungen ................... 346 8.1.3 Inhaltliche Varianten und emotionalisierende Texte ........ 351 8.2 Kommentare .............................................................. 360 8.2.1 Der Fall Seefeld als "Schulbeispiel" für die "Erbgesundheitsgesetze" ....................................... 362 8.2.2 "Mörder Liberalismus - das alte System ist schuld" ........ 367 8.2.3 Seefeld als "jüdischer Ritualmörder"? ......................... 368 8.2.4 Warnung an alle Eltern ......................................... 369 8.2.5 Interne Instrumentalisierung des Seefeld-Falles ............. 370 Zusammenfassung ............................................................. 373 9. "Sex and Crime": Von den Schwierigkeiten der medialen Inszenierung Haarmanns in der hannoverschen Presse 1972-1992......... 376 9.1 Der politische Künstler und sein Werk im öffentlichen Raum .... 378 9.2 Berichterstattung mit unterschiedlichen Schwerpunkten ........... 386 9.2.1 Die Inszenierung des Medienereignisses I: Der Zeitpunkt ................................................... 386 9.2.2 Die Inszenierung des Medienereignisses II: Die Art und Weise .............................................. 394 9.3 Pathologisieren oder verstehen: Kommunikation im öffentlichen Raum ............................................... 404 9.3.1 Kommunikation über das Medium Tageszeitung: Veröffentlichte Leserbriefe ..................................... 404 9.3.2 Andere Kommunikationswege: Unveröffentlichte Korrespondenz .................................................. 414 Zusammenfassung ............................................................. 420 10. Dramatisierung und Geheimhaltung: Der Fall Hagedorn als Geschichte deutsch-deutscher Ängste ....................................... 423 10.1 Informationsstrategien der Ermittlungsbehörden ................... 425 10.2 Veröffentlichungen über Hagedorn in der Bundesrepublik ........ 430 10.2.1 Dramatisierung I: Als Politikum ............................... 431 10.2.2 Dramatisierung II: Als Krimi .................................. 433 10.2.3 Weitere Dramatisierungsstrategien ............................ 434 10.3 Aufregung über ein potentielles Problem: Bundesdeutsche Veröffentlichungen und die Sorge einiger DDR-Funktionäre ..... 436 10.3.1 Imaginierte innenpolitische Probleme ........................ 436 10.3.2 Konkrete interne Maßnahmen ................................. 438 10.3.3 Imaginierte außenpolitische Probleme ........................ 442 10.3.4 Kompetenzen und Emotionen ................................ 446 Zusammenfassung ............................................................. 449 Dritter Teil: Medial vermittelte Gewalt - Zusammenfassung:................. 451 Schluss: Emotionen und Gewalt machen Geschichte(n) ........ 455 Quellen- und Literaturverzeichnis ................................................ 473 Abkürzungsverzeichnis ............................................................ 504 Register ...................................................................... 506