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Neun Monde lang jagt ein König sie über die Berge Kretas. Durch die Eichenwälder, über den nackten Stein, mit Hunden und Fackeln, bis an den Rand einer Klippe über dem Meer. So weit stimmt die Geschichte, die man sich seit Jahrhunderten erzählt. Doch die Dichter haben das Wichtigste vertauscht: wer in ihr handelt und wer nur erleidet.
Die Welt wird sie später Diktynna nennen, die Göttin der Netze, und ihr Heiligtümer bauen. Doch als ihre Geschichte beginnt, heißt sie Britomartis, und sie ist keine flüchtende Nymphe, sondern eine Jägerin, frei und allein, bis ein einziger Blick auf einem Fest in Gortyn das Auge des Königs von Knossos auf sie zieht. Was als Werben beginnt, wird zur Jagd, und was als Jagd beginnt, treibt sie zu Frauen, die sie nie zu brauchen glaubte: einer Kriegerin mit einem Brandmal am Arm, einem wilden Kind, den Töchtern der alten Herrin der Tiere. Sie lernt, dass das Wort Netz zweierlei bedeuten kann. Eine Falle, geknüpft aus der Begierde eines Mannes. Oder das, was dich auffängt, wenn du springst, geknüpft aus den Händen von Frauen, die sich weigern, dich fallen zu lassen.
Denn am Ende steht sie auf der Klippe. Und sie fällt nicht. Sie springt.
Neun Monde ist die Sage der Diktynna, erzählt von ihr selbst, alt geworden an einem Ort, den kein König erreicht. Eine mythische Nacherzählung aus dem minoischen Kreta über eine Frau, die sich weigert, jemandem zu gehören, über die Liebe zwischen zwei Frauen, die ein Leben lang hält, und über den einen Unterschied, der alles verändert: ob unten jemand steht, der bereit ist, dich zu halten.
Für alle, die vielschichtige Heldinnen, alte Mythen mit neuem Herzen und Geschichten lieben, in denen Frauen einander tragen.
Hinter der ruhigen Fassade des Alltags verbirgt sich bei Markus Bumb eine unbändige Faszination für tiefgründige Welten und vergessene Mythen. Am Schreibtisch gibt es keine Grenzen: Hier verschmelzen historische Sagen, dunkle Atmosphäre und fantastische Elemente. Im Zentrum stehen oft starke Frauen, die sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten und ihr eigenes Schicksal schmieden. Ob die antike Priesterin in Enheduanna, das Mysterium der Töchter von Lemnos oder die dem Wahnsinn verfallene Laodamia: Markus verleiht diesen Figuren eine kraftvolle Stimme. Mit Tinte und Reif wagt er sich in die Romantasy, in der alte Schwüre und eine leise Liebe aufeinandertreffen. Ruht die Feder, genießt er das ganz normale Leben fernab von antiken Intrigen und dunkler Magie.