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Seit jeher versuchen Menschen durch Reformen das System von innen heraus zu verändern - und sind nur wenige Jahre später von den restlichen Eliten kaum noch zu unterscheiden. Um dieser Mühle der Realpolitik zu entkommen, entwickelten sich in der Linken zwei verschiedene Ansätze: der Marxismus, der auf die gewaltsame Eroberung der Staatsmacht abzielte, und der Anarchismus, der sich der staatlichen Politik konsequent verweigerte. Beide Versuche scheiterten, ihr theoretisches Erbe aber bleibt ein Schlüssel für das Verständnis unserer Gegenwart. Ausgangspunkt bilden die Überlegungen des Staatstheoretikers Nicos Poulantzas (1936-1979). Er begriff den Staat als ein komplexes Kräfteverhältnis, an dem auch soziale Bewegungen partizipieren. Radikal weitergedacht, eröffnen seine Ideen eine politische Strategie, die die Vision eines demokratischen Sozialismus wieder greifbar macht: eine, die die Dynamik außerparlamentarischer Bewegungen ins Zentrum stellt, ohne aber dabei die Spielräume der staatlichen Institutionen zu vergessen. Die deutsche Klimabewegung sowie die Revoltierenden in Chile und Hongkong machten sich auf, diesen Ansatz in die Praxis zu übertragen. Eine Praxis, für die Reform und Revolution, Krawatte und Krawall, Sitzordnungen und Sabotage keine Widersprüche sind!
Martin Daniel Schott, geb. 1993, studierte Geographie und Politikwissenschaft. Als junger Erwachsener bewegte er sich in der anarchistischen Szene und war in antifaschistischen Protesten involviert. Später wandte er sich dem demokratischen Sozialismus zu und wurde in der Klimabewegung aktiv. Vereinzelt publizierte er Aufsätze zu politischer Theorie. Durch seine frühere Arbeit in der öffentlichen Verwaltung lernte er die Gestaltungsmöglichkeiten und Grenzen etatistischer Politik aus nächster Nähe kennen. Aktuell bereitet er eine Tätigkeit als Fremdsprachenlehrer vor.