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Mit dem Münnerstädter Altar schuf Tilman Riemenschneider das fanalartige Manifest einer Reformation der Kunst. Anstatt - wie üblich - die geschnitzten Werke durch eine polychrome Fassung mit der Malerei zu vermählen und dadurch eine realistischere Wirkung hervorzubringen, verzichtet Riemenschneider auf diese Vollendung der Holzskulptur zugunsten eines monochromen Erscheinungsbildes. Dieser Verzicht auf die Farbigkeit bedeutete aber keineswegs einzig einen Verlust, vielmehr ermöglichte er Riemenschneider, seinen Figuren eine ganz neue Ausdrucksintensität zu verleihen, die auch heutige Betrachter unmittelbar zu berühren vermag. Worin diese Wirkung der typischen Riemenschneider-Gesichter gründet und inwiefern Riemenschneiders Reformation der Skulptur letztlich auf eine Selbst-Reformation zielt, wird anhand seiner bedeutendsten Altarretabel aufgezeigt.