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Die Camargue ist kein gewöhnlicher Ort. Zwischen Salzseen, endlosem Schilf und dem Schweigen der Lagune lebt eine Welt, die eigenen Gesetzen folgt - uralt, unberechenbar, voller Stimmen, die nur wenige hören können. In diesem außergewöhnlichen Debütroman entführt Mathilde Fourcade-Stern ihre Leserinnen und Leser in eine Landschaft, die selbst zur Hauptfigur wird.
Im Mittelpunkt steht Séverine, eine junge Gardiane, die nach dem Tod ihres Vaters allein die Pferdeherde auf den salzhaltigen Weiden der Camargue hütet. Sie ist pragmatisch, wortkarg, verwurzelt in dieser rauen Natur wie die schiefen Tamarisken um ihr kleines Mas. Doch ein früher Morgen verändert alles: Im silbrigen Licht des Étang de Vaccarès begegnet sie Isaure - einer Frau, die reglos im Wasser steht, umgeben von wachsenden Salzkristallen, mit Augen, die zu hell leuchten, und einer Stimme, die klingt wie Wasser über flache Steine.
Was folgt, ist eine Erzählung von seltener Dichte und atmosphärischer Kraft. Fourcade-Stern verbindet südfranzösische Folklore mit eindringlichem literarischem Realismus und erschafft dabei eine Welt, in der das Übernatürliche keine Sensation ist, sondern eine Selbstverständlichkeit - genauso unvermeidlich wie der Mistral oder das Salz, das alles durchdringt.
Die Sprache des Romans ist präzise und sinnlich zugleich: Man spürt den schwarzen Schlick unter den Stiefeln, hört das Rauschen des Schilfs ohne Wind, schmeckt die Bitterkeit des Salzwassers. Wer Literatur sucht, die tief unter die Haut geht und noch lange nachhallt, findet in diesem Buch ein unvergeßliches Leseerlebnis.
Mathilde Fourcade-Stern ist eine Schriftstellerin, deren Werk sich den geheimnisvollen Landschaften Südfrankreichs und den Geschichten ihrer Bewohner widmet. Mit feinem Gespür für Atmosphäre und innere Welten erforscht sie in ihren Erzählungen die Verbindung zwischen Mensch und Natur. Ihre Recherchen führten sie wiederholt in die Sumpfgebiete und Lagunen, wo sie die Stimmen und Traditionen lokaler Kulturen einfing. Fourcade-Stern lebt zurückgezogen und schreibt über jene Orte, an denen Geschichte im Wasser flüstert und Legenden zwischen den Schilfhalmen wachsen. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine poetische Sprache und tiefe psychologische Einsicht aus.