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Titel verstehen sich nicht von selbst. Die Ausdifferenzierung, Verwendung und Beobachtung des paratextuellen Elements im literarischen Feld und darüber hinaus wird durch historisch spezifische Semantiken und Praktiken geprägt. Alternative Bezeichnungen wie ‚Name‘, „Rock“ (Christian Friedrich Geßner) oder „Blickfang“ (Arnold Rothe) deuten diese Zusammenhänge an. Sie lassen sich als Elemente von Beschreibungen verstehen, die in und mit sozialen Formationen die Geschichte des Titels als Paratext prägen. Ausgehend von diesem Befund interessieren sich die Beiträge dieses Bandes (erstens) für Relektüren von klassischen Texten der Titeltheorie, um sie im Hinblick auf ihren Begriffshaushalt, ihre Metaphern und Kollektivsymbole zu untersuchen. Sie nehmen (zweitens) die Vielzahl an weniger bekannten Titel-Reflexionen in den Blick: abseitige oder bisher überlesene Stellen in Poetiken und poetologischen Texten oder in Vor- oder Nachworten, Briefen etc. Schließlich fragen sie (drittens) nach den konkreten Praktiken der Herstellung und Verwendung von Titeln in der deutschsprachigen Literatur und ihren Kontexten insbesondere seit dem späten 18. Jahrhundert, aber auch in Rückgriffen bis in die Antike und Vorgriffen bis in die Gegenwart. Damit eröffnet der Band Literatur- und Buchwissenschaftler*innen ebenso wie Literatursoziolog*innen den Weg zu einer praxeologischen Semiotik des Titels.
David-Christopher Assmann, Otto-Friedrich-Universität, Bamberg; Lorella Bosco, Università degli Studi di Bari Aldo Moro, Bari, Italien.