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Pfarrer Konrad Fromm ist vierunddreißig Jahre alt, seit vier Jahren im Amt und außerordentlich gut in seinem Beruf. Er sitzt bei Sterbenden, die sonst allein sterben würden. Er hält Beerdigungen, nach denen die Angehörigen ihm die Hand zu lange festhalten. In einem Eifeldorf mit achthundertzwanzig Einwohnern hat man Glück mit ihm gehabt.An einem Nachmittag im April liest er ein schlecht gedrucktes Rundschreiben. Ein Missionswerk sucht Personal für eine Sozialstation in Pattaya. Er liest den Kasten dreimal, und was er dabei denkt, ist nicht: Dort könnte ich tun, was ich hier nicht darf. So denkt niemand. Was er denkt, ist: Dort kennt mich niemand.Es ist ein Satz, in dem man wohnen kann.In Thailand tut Konrad Fromm dann beides, und zwar gleichzeitig und mit derselben Hingabe. Er gibt einhundertzwanzig Menschen am Tag zu essen. Er kämpft vierzehn Monate lang um Geburtsurkunden für drei staatenlose Kinder, weil ein zwölfjähriges Mädchen lesen lernen will. Er baut ein Schuldach im Isaan, das heute noch steht. Und er bohrt sein geweihtes Holzkreuz nachts im Geräteschuppen zur Pfeife um, sorgfältig, mit zwei Lappen gegen Druckstellen im Holz es ist das beste Stück Handwerk seines Lebens.Er nimmt Geld, das andere für Kinder gespendet haben. Er sagt einer Vierundzwanzigjährigen aus Buriram um drei Uhr nachts einen Satz, den er ernst meint und nicht halten wird. Er organisiert den einzigen Mitbruder, der ihn halten könnte, in vier Monaten aus seinem Leben ohne ein einziges unfreundliches Wort.Als die thailändische Polizei ihn nach Deutschland überstellt, wartet nicht der Skandal, den alle erwarten. Die Anklage handelt von Kontoauszügen. Und in der Untersuchungshaft stellt ein Anstaltsarzt fest, was Konrad Fromm seit zehn Jahren weiß und keinem Menschen gesagt hat weil Reden bedeutet hätte, in einer Akte zu stehen.Ein Roman über einen Mann, der überzeugt ist, Heimlichkeit sei dasselbe wie Unschuld. Über eine Institution, die einmal hinsieht, einen Vermerk schreibt und ihn ablegt. Über eine sechsundsiebzigjährige Ordensfrau, die seit einunddreißig Jahren Reis ausgibt und keine Fragen stellt bis auf eine, und die stellt sie nur einmal.Die letzte Beichte von Pattaya erzählt vom Fall eines Priesters mit trockenem Witz und ohne jede Schadenfreude. Das Buch verurteilt seinen Protagonisten nicht und rettet ihn nicht. Es zeigt einen Menschen, der Gutes tat und Böses tat, dieselbe Woche, mit denselben Händen und behauptet, dass man sich das nicht aussuchen muss.Inhaltshinweis: Der Roman behandelt Sexualität, Prostitution, Substanzmissbrauch, schwere Erkrankung sowie den Tod einer Hauptfigur. Sämtliche auftretenden Figuren sind volljährig.
Nathaniel Gray ist ein Pseudonym.Der Autor lebt in Süddeutschland und schreibt über Menschen, die etwas Anständiges tun und dabei etwas anderes sind. Er interessiert sich weniger für den Moment, in dem jemand fällt, als für die Wochen davor, in denen niemand etwas merkt auch der Fallende nicht.Die letzte Beichte von Pattaya ist sein erster Roman unter diesem Namen.