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Was geschieht, wenn sich die Prinzipien, die dem westlichen Denken und Handeln die Fundamente sichern sollten, selbst als der Verzeitlichung unterworfen herausstellen? In seinem im deutschsprachigen Raum nach wie vor weitgehend unbekannten Werk entwirft der deutsch-amerikanische Philosoph Reiner Schürmann (1941-1993) die phänomenologische Beschreibung eines Zustands, in dem der Zerfall der Ordnungsfiguren die überkommenen philosophischen und politischen Bezugsrahmen selbst infrage stellt. Nicolas Schneider rekonstruiert Schürmanns Versuch, den Widerspruch zwischen der klassischen Ablehnung der Anarchie und dem modernen Anarchismus zu überwinden, ohne dabei die Frage nach dem Ursprung gesellschaftlicher Ordnung aus dem Blick geraten zu lassen. Durch seine Lektüren von Meister Eckhart und Heidegger, Kant und Marx, Arendt und Foucault entfaltet Schürmann eine politische Philosophie der Entzweiung, die sich sowohl vom zeitgenössischen Neostrukturalismus als auch von post-marxistischen Ansätzen abgrenzt. Nicolas Schneider arbeitet den zentralen Einsatz von Schürmanns Denken heraus: nicht etwa die Abwesenheit mythischer Ursprünge, sondern die Gegenwart des Mannigfaltigen zum Ausgangspunkt eines anarchistischen Universalismus zu nehmen.