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Kulturerbe Hund ist eine systemische Analyse der ältesten Partnerschaft der Menschheit - und ihrer systematischen Zerstörung durch eine Allianz aus Überregulierung, Marktlogik und ideologischer Verblendung. Das Buch zeigt, dass der Hund weit mehr ist als ein Begleiter: Er ist die erste Interspecies Extension des Menschen - eine lebendige, atmende Prothese, die über 2.200 Arten von spezialisierten Nischen ersetzt hat, die wir sonst selbst hätten besetzen müssen. Allein 400 Typen davon hat der Hund in sich vereint: vom Wächter über den Jäger bis zum Tröster. Es zeichnet nach, wie diese Jahrtausende alte Allianz in den letzten 25 Jahren durch eine Politik der Gruppe Null - der ersten Bevölkerungsgruppe, an der neue Kontrolltechnologien erprobt werden - in eine existenzielle Krise gestürzt wurde. Besonders das organisierte Hundewesen (die kontrollierten Zuchtverbände) steht unter Beschuss, während der unkontrollierte Markt (illegale Vermehrung, Importe, Social-Media-Trends) unbehelligt wuchert - eine fatale Fehlsteuerung. Im Kern geht es um die Frage: Was verlieren wir, wenn wir den Hund aus der Mitte der Gesellschaft verbannen? Die Antwort ist so simpel wie erschütternd: Wir verlieren nicht nur eine Tierart. Wir verlieren eine Überlebensbedingung.
Nicole Haberer-Diedrichs befasst sich seit über 25 Jahren intensiv mit der Koevolution von Mensch und Hund. Abseits ausgetretener Pfade der klassischen Kynologie verbindet sie empirische Langzeitbeobachtungen mit Systemtheorie, Verhaltensbiologie und Neurokognition. Ihr Fokus liegt auf der Freilegung interspezifischer Zusammenhänge, der gesellschaftlichen Relevanz der Kynologie und dem Schutz dieses biologisch-kulturellen Erbes. Als Autorin und Praktikerin plädiert sie für eine tiefgreifende Re-Evaluierung unseres Habitats und eine radikale Abkehr von anthropozentrischen Kontrollmodellen.