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Olha Kobyljanska erfindet die emanzipierte Frau in der ukrainischen Literatur. Sie gehört zu den bekanntesten Schriftstellerinnen ihrer Generation in ihrem Land.
Die Bukowina, Ende des 19. Jahrhunderts: Natalka, Vollwaise, wächst bei ihrem Onkel auf - in einer Welt, in der für Frauen nur Gehorsam, Hausarbeit und eine günstige Heirat zählen. Sie liest, sie denkt, sie fühlt anders. Als ein unerwünschter Heiratsantrag sie bedrängt, bricht sie in die Landeshauptstad Czernowitz auf - und damit in eine andere Zukunft. 'Zariwna' (übersetzt: Zarentocher oder Prinzessin; 1893) gehört zu den ersten feministischen Romanen der ukrainischen Literatur und ist zugleich ein eindrucksvolles Zeugnis der multikulturellen habsburgischen Bukowina, in der Ukrainisch, Deutsch und Rumänisch aufeinandertrafen. Mit scharfer Beobachtungsgabe und psychologischem Gespür erzählt Olha Kobyljanska von einer Frau, die sich weigert, das ihr zugedachte Leben zu führen. Mehr als hundert Jahre nach seinem Erscheinen sind die Fragen nach sozialer, kultureller und individueller Emanzipation, die der Roman aufwirft, noch immer aktuell.
Olha Kobyljanska (1863-1942) wuchs in einer deutsch-ukrainisch-polnischen Familie in der Bukowina auf und besuchte lediglich vier Jahre eine deutschsprachige Schule. Ihre ersten literarischen Texte schrieb sie auf Deutsch. Die ukrainische Schreibsprache eignete sie sich erst in den 1890er Jahren selbst an. Für viele war sie 'zu deutsch', man beschimpfte sie als Fremde in der eigenen Literatur. Sie antwortete mit einem Werk, das die ukrainische Prosa für immer veränderte. Neben 'Zariwna' zählen 'Die Unkultivierte' (1897) und 'Der Pöbelapostel' (1933) zu ihren bedeutendsten Romanen.