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Zu Beginn dieses Kriminalromans ist Marie Röder eine Frau, die ihr Ehemann, der Jurist Werner Röder, als sein sicheres Eigentum betrachtet. Das ändert sich mit ihrer Scheidung drastisch: Als Nacktfotos, die der Nachtklubakrobat José Lärcher von ihr gemacht hat, auf dem Nachtkästchen eines Profikillers in Hamburg aufgefunden werden und den spektakulärsten Kriminalfall und Wirtschaftsskandal der Siebzigerjahre platzen lassen, gilt Marie Röder dem Publikum als Inbegriff der Femme fatale, die Männer verbraucht und wegwirft. Peter Michael Lingens, zu dem sie Vertrauen gefasst hat, versucht ihr wirkliches Leben zu beschreiben: Die immer wieder toxisch entgleisenden Beziehungen zu den Männern, die sie liebt und die nicht minder toxische Beziehung zu José Lärcher, der sie als Einziger auf Händen tragen will. So gesehen ist "Nacktfotos" auch ein Liebesroman ohne Happy End. Nicht minder geht es dem Kriminalroman um die gesellschaftliche Wirklichkeit. Um das Hineinragen der NS-Zeit in die Demokratie. Wie Männer, die das NS-Regime prägte, sich in den Jahren danach verhielten. Wie Medienkonzerne, in denen sie nicht selten eine Rolle spielten, ungeheure politische und wirtschaftliche Macht erlangten. Wie brutal interne Machtkämpfe in großen Unternehmen verlaufen können. Und vor allem, wie an der Schnittstelle von Wirtschaft und Politik die immer gleiche Korruption blüht, egal ob Konservative oder Sozialdemokraten regieren, und wie eine Justiz, die von der Regierung abhängt, leise Probleme im Umgang mit dieser Korruption hat. So gesehen ist "Nacktfotos" auch Zeitgeschichte Deutschlands und Österreichs.
geb. 1939 in Wien. Zu Beginn seiner Karriere Redakteur bei der Arbeiter-Zeitung, dann Gerichtssaalberichterstatter des Kurier. Von Oscar Bronner als Chefredakteur zum neu gegründeten profil bestellt, wurde er nach dessen Ausscheiden bis 1987 Herausgeber des Nachrichtenmagazins. In den 90er Jahren Herausgeberschaft und Chefredaktion der österreichischen Ausgabe der deutschen Wirtschaftswoche. Danach wechselte er 1993 in die Chefredaktion des Standard, von 1997 bis 2000 Professur für Journalismus an der Donau-Universität Krems, außerdem lehrte er an der Journalismus-Akademie in Wien. Von 2001 bis Mai 2017 war er als Kolumnist erneut für profil tätig. Seit Mitte Juni 2017 erscheinen seine Kolumnen in der Wochenzeitung Falter. Autor zahlreicher Bücher.