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Renate Behla schafft seit 35 Jahren ihren sehr eigenen, oftmals rätselhaften Bildkosmos. Die vorliegende Publikation nähert sich diesem an und folgt dabei der Logik des Mediums. Sie entfaltet ihn in der beziehungsreichen, von der Künstlerin gesetzten und kommentierten Abfolge der Bildseiten und einem mit ihr inszenierten Dialog der Werke. Viele Arbeiten sind so angelegt, dass sie den Gedanken für das jeweils folgende Bild bereits in sich tragen. Sie sind nicht isolierte Einzelstücke, sondern Teile eines übergreifenden Werkprozesses. Miteinander bilden sie ein metaphorisch verwobenes Gesamtgefüge, mit dem die Künstlerin Anschlussstellen zu einem kollektiven Bildgedächtnis sucht, mit dem sie Assoziationsräume öffnet und das sie textlich mit merkwürdig/merkenswerten Titeln anreichert, die oft auf etymologischen Recherchen beruhen. Darüber hinaus ergeben sich aus der intensiven Beschäftigung mit Philosophie und Psychologie, Religion und Mythologie gangbare Wege, um persönliche Gedanken, Gefühle und künstlerische Eingebungen in größeren Zusammenhängen zu sehen und nach und nach die Grundthemen ihrer Arbeit zu entwickeln - Metaphern für die menschliche Existenz, für die Schutzbedürftigkeit des Menschen und seinen Kampf um Selbstbehauptung, sein Scheitern an den einfachsten Dingen, für zwischenmenschliche Beziehungen, Schöpfung und Vergänglichkeit. Da das Leben oft paradox ist und auch in seiner Tragik komisch sein kann, fehlt es Ihrem Werk dabei nicht an Humor. Renate Behla ist eine hervorragende Zeichnerin, die sich mitunter auch von der zeichnenden Hand in ihrem Denken führen lässt, um ihre innere Welt ins Sichtbare zu übertragen und uns mit ihren geheimnisvollen, den Menschen mit dem Kosmos verbindenden Bildfindungen zu fesseln. So präzise ihre Zeichnungen sind, so offen ist ihre inhaltliche Deutung - ein produktives Spannungsverhältnis, das beunruhigend, irritierend, im besten Fall aber auch anregend sein kann.