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Als türkische Gastarbeiter kamen Güner Balcis Eltern nach Berlin-Neukölln. Der Einzug in eine Wohnung mit eigenem Bad im Rollbergviertel war für sie ein Meilenstein des Ankommens in einer ihnen fremden Welt. Aber das einstige Arbeiterviertel, in dem ihre Tochter eine unbeschwerte Kindheit erlebte, verwandelte sich Anfang der 1980er-Jahre zunehmend in einen sozialen Brennpunkt. Die Söhne arabischer Großfamilien beherrschten das Geschehen. Ein reaktionärer Islam machte sich breit, der Mädchen und Frauen die Selbstbestimmung verweigerte. Güner Balci erzählt von Selbstbehauptung und Scheitern, von Freundschaft und Verlust in einem Viertel, das zu ihrer Lebensschule wurde. Eine leidenschaftliche Liebeserklärung an ihr Heimatland.
Güner Yasemin Balci, geboren 1975 in Berlin-Neukölln, ist Journalistin, Schriftstellerin, Filmemacherin und seit 2020 Integrationsbeauftragte für den Berliner Bezirk Neukölln. Sie hat die Herausforderungen einer Einwanderungsgesellschaft zu ihrem Lebensthema gemacht. In ihren Büchern Arabboy. Eine Jugend in Deutschlandoder das kurze Leben des Rashid A., ArabQueen oder der Geschmack der Freiheit, Aliyahs Flucht und Das Mädchen und der Gotteskrieger widmet sie sich vor allem den Zwängen und Geboten, mit denen Jungen und Mädchen aus muslimischen Einwandererfamilien aufwachsen. Zuletzt erschien ihr Bestseller Heimatland. Zähne Zeigen gegen die Feinde der Demokratie 2025 im Berlin Verlag. Bis Ende 2008 war Balci Redakteurin beim ZDF für das Politmagazin Frontal 21. Danach arbeitete sie regelmäßig als Regisseurin für Arte, die ARD und das ZDF. Für ihre Reportage "Tod einer Richterin - auf den Spuren von Kirsten Heisig" gewann sie 2012 den Civis Fernsehpreis. 2017 realisierte sie für das Kleine Fernsehspiel beim ZDF den Dokumentarfilm "Der Jungfrauenwahn", der den Bayerischen Fernsehpreis gewann. "Die große Reise - Seyran Ates und der Weg zu einem reformierten Islam" ist ihr zweiter langer Dokumentarfilm, gefolgt von "Albrecht Weinberg - Es ist immer in meinem Kopf", eine Dokumentation über den Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg 2026. Für die ZDF-Sendung 37° produziert sie regelmäßig Filme zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen.