Jan-Arne Sohns

An der Kette der Ahnen

Geschichtsreflexion im deutschsprachigen historischen Roman 1870-1880. Reprint 2014. 23,6 cm / 16,0 cm / 2,7 cm ( B/H/T )
EAN 9783110181333
169,95 €
inkl. MwSt.
392 Seiten
Juli 2004
De Gruyter

Als prekärer Teil des affirmativen Reichspatriotismus (1870-1880) trieben diffamierte oder gering geachtete Geschichtsromane wie Dahns Kampf um Rom, Fontanes Vor dem Sturm, Freytags Ahnen oder Sacher-Masochs Weiblicher Sultan Geschichtsreflexion und Identitätsbildung entscheidend voran. Wie Meyers Jürg Jenatsch problematisieren sie den zeitgenössischen Umgang mit Geschichte und stehen damit am Beginn der Krise des Historismus. Die vorliegende Dispositivanalyse weist das hochreflexive Ineinander von Affirmation und Subversion nach, zu dem sich die Romane mit Nietzsches Historienschrift, Droysens Geschichtssemiotik, Menzels Abkehr vom Geschichtsgemälde, aber auch mit Denkmaleinweihungen, den Jubelfeiern 1870/71, Verlagsanzeigen, Professorenromanen, Zeitschriftenartikeln und -illustrationen verschränken. Eingehende Interpretation gängiger und abseitiger Text- und Bilddokumente entwerfen zentrale Elemente der Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts völlig neu.

Jan-Arne Sohns ist Literaturwissenschaftler, Kulturjournalist und Studienreferendar.