Schloss - Gefängnis - Inferno

Historischer Abriss und ethische Aufarbeitung der NS-Krankenmorde in Erlangen. 13 schwarz-weiße und 96 farbige Abbildungen, 2 schwarz-weiße Tabellen. Sprachen: Deutsch, Englisch. 24,7 cm / 18,4 cm / 3,7 cm ( B/H/T )
EAN 9783515141918
92,00 €
inkl. MwSt.
524 Seiten
Juni 2026
Steiner Franz Verlag

Die Trias "Schloss - Gefängnis - Inferno" im Titel bezieht sich auf historische Einschätzungen: Der "Hauptpflegebau" der Erlanger Heil- und Pflegeanstalt (1879) wurde von Zeitgenossen als "Schloss" bezeichnet. Das ab 1903 größtenteils als Psychiatrische Universitätsklinik genutzte Bauwerk machte nach außen hin einen repräsentativen Eindruck. Ein Pfarrer und mehrere Patienten, die in den vergitterten Krankenzimmern zeitweise untergebracht waren, fühlten sich dagegen an ein Gefängnis erinnert. Im Zweiten Weltkrieg wurden im eng belegten Souterrain "B-Kost"-Stationen eingerichtet. Eine notdienstverpflichtete Ärztin bezeichnete das Hungersterben als grauenvolles Inferno. Über 900 Kranke wurden in Tötungsanstalten deportiert, weitere ca. 1.000 Menschen wurden innerhalb der Anstalt Opfer der NS-"Euthanasie", auch wenn es Widerstand gab. Dieser Band erläutert den Stand der Forschung zu den begangenen Verbrechen mit neuesten Erkenntnissen etwa zu Humanexperimenten, der Noteinquartierung von Blinden u.v.m. Ein besonderes Augenmerk gilt den Schicksalen von Opfern. Darüber hinaus wird die Geschichte des Gebäudes erörtert, dessen Patientenflügel 2020-2023 abgebrochen wurden. Neben Beiträgen zu diesem historischen Abriss stehen erinnerungspolitische Überlegungen zum geplanten Gedenk- und Lernort.