Wer ist denn mein Nächster? -

Wer ist denn mein Nächster?

Das Gebot der Nächstenliebe als theologische Orientierung in Zeiten von Feindseligkeit und Gewalt. 1. Auflage
EAN 9783374081813
Familienlizenz Family Sharing
33,99 €
inkl. MwSt.
132 Seiten
September 2026
Evangelische Verlagsanstalt

»Wer ist denn mein Nächster?« Diese Frage aus dem Gleichnis des barmherzigen Samariters (Lk 10,29), könnte dringlicher kaum sein. In Zeiten, in denen Entfremdung und Anfeindung auf allen Ebenen des sozialen und politischen Lebens zu beobachten sind, stellt sich die Frage, was Menschen einander eigentlich zu »Nächsten« macht.
Das biblische Gebot der Nächstenliebe (Lev 19,18.34) unternimmt etwas Kontraintuitives. Es überträgt den Gedanken der Liebe, der dem Nah- und Intimbereich zugehört, auf »ferne« zwischenmenschliche Verhältnisse. Damit fordert das Liebesgebot »Nähe«, der keine selbstverständliche Evidenz entspricht. Im Gegenteil, das Liebesgebot konstruiert Nähe gegen die Entfremdungen, die gemeinschaftliches Leben belasten. Aber welche Plausibilität hat diese Gegenläufigkeit? Wenn Nächstenliebe nicht nur fromme Rhetorik sein soll, wie kann sie dann theologisch glaubwürdig begründet werden?
[Who Is My Neighbour? The Commandment to Love One's Neighbour as a Theological Guide in Times of Hostility and Violence]
»Who is my neighbour?« This question from the parable of the Good Samaritan (Luke 10:29) could hardly be more urgent. In times when alienation and hostility can be observed at all levels of social and political life, the question arises as to what actually makes people »neighbours« to one another.
The biblical commandment to love one's neighbour (Lev 19:18, 34) does something counterintuitive. It transfers the idea of love, which belongs to the sphere of intimacy and closeness, to »distant« interpersonal relationships. In doing so, the commandment to love demands »closeness« that is not self-evident. On the contrary, the commandment to love constructs closeness against the alienation that burdens communal life. But how plausible is this contradiction? If love for one's neighbour is to be more than pious rhetoric, how can it be justified in a theologically credible way?

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